Namibia: 14 Tage Natur pur

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Unser Abenteuer im Südwesten Afrikas beginnt zwischen den Jahren: Mit South African Airways fliegen wir von Frankfurt über Johannesburg nach Windhoek und tauschen den Winter gegen Sommer ein. 33 anstatt 3 Grad. Beste Bedingungen, um Namibia als Familie mit unserer zehnjährigen Tochter 14 Tage zu bereisen.

Nachdem wir am Hosea Kutako International Airport 45 Kilometer östlich von Windhoek gelandet sind, schlendern wir zu Fuß über den Flughafen zum Terminal - Afrika, wir sind da! Nach der Einreise, bei der wie auch in Südafrika die Geburtsurkunde für Kinder ein absolutes Muss ist, übernehmen wir unseren Renault Duster und fahren 45 Minuten zu unserem schnuckeligen Guesthouse Villa Moringa im Stadtteil Klein Windhoek. Da wir nur eine Stunde Zeitunterschied haben, fällt uns das Akklimatisieren in Windhoek wirklich leicht. Für den Nachmittag haben wir nur noch eine Aufgabe: Wir füllen in der Maerua Mall unsere Lebensmittel-Vorräte auf, denn am folgenden Tag soll es in Richtung Wüste gehen. Abends reservieren wir einen Tisch In Joe‘s Beerhouse und essen lokal: Oryx, Kudu, Springbock und Zebra sowie einen mächtigen Kids-Burger und Mousse au Chocolate - sehr lecker!

Reifenpanne im Namib Naukluft Park

Gestärkt durch ein leckeres Frühstück auf der Terrasse der Villa verlassen wir Windhoek um 9.30 Uhr nach Süden. Gut eine Stunde später passieren wir bereits Rehoboth um biegen von der 1 westwärts auf die 24 bis nach Klein Aub. Das bedeutet, bis auf weiteres keine Teerstraße mehr, sondern Schotterpiste. Wir passieren den Remhoogte Pass und biegen südwärts auf die 19 ein. Dann folgt der Schock: Wir haben nicht nur einen Platten, der ganze linke Vorderreifen ist zu Gummischrott gefahren. Übel! Bei 35 Grad steigen wir aus und erhalten Hilfe vom zufällig vorbei fahrenden Ranger Tim. Ohne ihn hätte wir den Reifen in diesem Terrain niemals binnen 45 Minuten wechseln können. Zum Glück haben wir ausreichend Netz und erreichen die Hotline vom Autovermieter Bidvest. Die helfen ganz pragmatisch und lotsen uns zur Engin Filling Terrace in Sesriem - die 60 Kilometer dorthin gelingen ohne weiteres Ersatzrad. Der Fachmann an der Tankstelle erweckt den Eindruck, täglich gleich reihenweise neue Reifen aufzuziehen. Ohne Gummischrott und mit neuem Ersatzrad passieren wir dann gegen 16:30 Uhr das benachbarte Namib Naukluft Resort, holen uns unser Permit und checken ein in der Sossus Dune Lodge. Dieses Camp liegt als einziges direkt im Park und bietet uns einen Megablick gen Westen. Ein toller Sonnenuntergang beim leckeren Dinner-Menü beendet einen aufregenden Tag.

Von der Sossus Dune Lodge vor Sonnenaufgang zur Düne 45

In der Nacht klingelt unser Wecker bereits um 4:20 Uhr, weil es heute früh zu den höchsten Dünen der Welt geht. Wir schnappen uns unser Frühstücks-Paket und starten noch vor 5 Uhr über die Privat-Rampe der Sossus Dune Lodge auf die 60 Kilometer Teerstraße bis zur Sossusvlei. Eigentlich darf laut Parkordnung dort niemand fahren außerhalb des Sonnenauf- oder -untergangs, und wenn, dann maximal 60 km/h. Offenkundig schert sich um beide Gebote aber niemand: Sowohl die offiziellen Fahrer der Sossus Dune Lodge wie auch die Camper im Nationalpark sind recht rasant unterwegs während der morgendlichen blauen Stunde. Unser erstes Ziel für den Morgen ist nach 45 Kilometern erreicht, die Düne 45. Im Gegensatz zu den noch höheren Deadvlei oder der Sossusvlei am Ende der Teerstraße können wir diese Düne auch mit unserem Renault Duster bequem erreichen. Was dann folgt ist der Hammer: Eine Tag vor Silvester sitzen wir drei morgens um 6 Uhr in Shorts auf Düne 45 und sehen die Sonne aufgehen über der ältesten Wüste der Welt. Minütlich ändert sich das Farbenspiel im Namib-Sand, Wolken färben sich rosarot und über der ganzen Szenerie liegt eine entspannende Stille.


Sossusvlei und Deadvlei zu Fuss erleben

Action gibt es erst wieder, als wir Düne 45 wie die Irren hinab rennen. Anschließend geht es weiter bis zum Ende der Teerstraße zum Sossusvlei-Parkplatz. Von dort fahren wir zu dritt für 26 Euro mit dem Shuttlebus zur Sossusvlei (Big Mama) und zur Deadvlei (Big Daddy), die wir dann ab kurz nach 8 Uhr in Angriff nehmen. Eine Stunde später sind wir oben auf der Deadvlei in etwa 375 Meter und genießen das gigantische Panorama. Als wir den Steilhang wieder hinab rennen, wird der Sand schon langsam heiß - insbesondere unten in der Salzpfanne. Im dem immer noch unfassbaren Licht machen wir auf dem Rückweg unzählige Fotos von unbeschreiblichen Farbkontrasten.

Durch die Wüste an den Atlantik

Am Silvester-Morgen verlassen wie das Naukluft Wildlife Resort wieder und brechen auf in Richtung Swakopmund - mit vollgetanktem Auto und sechs Litern Wasser an Bord. In den kommenden sechs Stunden setzen die Gravel Roads C27, C19 und C14 unserem Renault Duster schwer zu. Anders als bei unserem letzten Namibia-Aufenthalt im trockenen September befinden wir uns jetzt in der Regenzeit. Die Straßenverhältnisse sind deutlich schlechter durch viele Spurrillen. Trotzdem genießen wir die beeindruckende Landschaft der Namib, das entlegene Örtchen Solitaire, den Wendekreis des Steinbocks sowie die Pässe Gaub und Kuiseb. Allerdings verlangen die fiesen Rillen, Steine und Löcher beim Fahren höchste Konzentration. Die Reifen halten, aber mitten in der Namib entdecken wir dafür ein Loch in der Windschutzscheibe nach einem Steinschlag. Egal, wenige Kilometer vor Walvis Bay freuen wir uns, dass wir wieder Teer unter den Reifen haben. Um 15:45 Uhr rollen wir ein im Sea Breeze Guesthouse in Swakopmund nicht weit vom Atlantik und werden herzlich von Gastgeberin Huibre begrüßt. Sie reserviert uns noch den letzten Platz in einem örtlichen Restaurant am Silvesterabend in Kückis Pub. Prost Neujahr.

Swakopmund: Namibias reizvolles Seebad

14 Jahre nach unserem letzten Besuch in Swakopmund erkunden wir die Stadt nun mit unserer Tochter. Viele sprechen zwar noch vom „südlichsten deutschen Seebad“, aber für uns macht Swakopmund gerade die Mischung unterschiedlichen Kulturen, Bauwerke und kulinarischen Köstlichkeiten aus - das alles an der Stelle, wo die Namib auf den Ozean trifft. Um 10 Uhr starten wir beim üblichen Morgen-Nebel am Einkaufszentrum „Platz am Meer“ und spazieren dann den Strand entlang bis zum Zentrum. Beim Leuchtturm essen wir neben dem Strand Hotel ein Eis, gehen vorbei an der Mole bis zum Tug und zur Jetty, der ehemaligen Landungsbrücke. Nach etwas Stöbern in der Brauhaus-Galerie stehen wir nach etwa sieben Kilometern vor dem neobarocken Hohenzollernhaus. Das anschließende Bad im wilden Atlantik fällt nur kurz aus, weil der Benguela-Strom auch im hiesigen Sommer für kühles Wasser sorgt. Bei solch einem Spaziergang sollte man stets das Wetter im Auge behalten: Häufig bahnt sich die Sonne am späten Vormittag ihren Weg durch den Morgennebel. Wer sich davor nicht schützt, dem droht ein fieser Swakopmund-Sonnenbrand.


Walvis Bay: Bootstrip bei Levo Tours

An den folgenden beiden Tagen nutzen wir die Tatsache aus, dass bei Swakopmund und Walvis Bay die Namib auf den Atlantik trifft. Beim ersten Ausflug zieht es uns raus aufs Meer: Um 8:30 Uhr finden uns am Hafen von Walvis Bay ein und beginnen unseren vorab gebuchten Bootstrip bei Levo Tours. Skipper Eddie, ein pensionierter Ex-Polizist aus Windhoek und passionierter Geschichtenerzähler, cruist uns drei Stunden vom Industriehafen entlang der Sandbank-Halbinsel Pelican Point bis zu einer auf Reede befindlichen Ölplattform und zurück zum Marine-Hafen. Unterwegs füttert er Möwen und Pelikane und wir bekommen auf dem Boot gleich mehrfach Besuch von Robben, einzig die Delfine machen sich heute rar. Außerdem gibt es Sherry, Austern mit Sekt und ein ordentliches Mittagessen, ehe wir um 12 Uhr zurück sind im Hafen von Walvis Bay.



Mit Quads über die Dünen der Namib

Tags darauf geht es in den Sand: Wir fahren wenige Minuten raus aus Swakopmund zu den Desert Explorers, wo wir eine Quad Tour gebucht haben. Es stellt sich heraus, dass wir gemeinsam mit unserem Guide Etosha die einzigen Teilnehmer sind. Wir versuchen, ob Emmy mit ihren zehn Jahren ihr Quad alleine fahren kann - und es klappt, auch weil Etosha sich viel Zeit fürs Erklären nimmt. Dann düsen wir zwei Stunden lang und mit bis zu 63 Stundenkilometern schnell durch die Sanddünen; Swakopmund und den Atlantik immer mal wieder im Blick. Atemberaubend!

In den Norden zur Etosha-Pfanne

Nach vier tollen Tagen verlassen wir Swakopmund morgens um 9 Uhr - und freuen uns, dass wir bis Etosha fast nur Teerstrassen fahren. Zunächst geht es auf der 2 ostwärts, ehe wir bei Karibib auf die 33 gen Norden einbiegen. Über Otjiwarongo - hier vermeiden wir mit einem kleinen Umweg die Schotterstraße - und Outjo geht es auf der 38 in Richtung Etosha Safari Lodge, wo wir gegen 14:30 Uhr viel schneller als erwartet ankommen. Den Nachmittag verbringen wir nach langer Fahrt vorwiegend in einem Pool mit Blick auf eine faszinierende Landschaft.




Hinter dem Anderson-Gate beginnt die Safari

Da wir in unserer Lodge nur wenige Kilometer vor dem Anderson-Gate übernachtet haben, sind wir morgens recht schnell im Etosha Nationalpark. 20 Minuten später erreichen wir Okaukuejo und können am späten Vormittag sogar schon in unser Zimmer dieses staatlichen Camps - schlicht, aber sauber. Dann unternehmen wir die erste Safari zum Olifantsbad, nach Aus und zurück über Odongab. Kurz hinter Kapupuhedi entdecken wir direkt unter einem Baum an der Straße drei Löwen, die sich vor der Mittagshitze schützen: beeindruckend. Nach einem Stopp im Camp drehen wir am Nachmittag noch mal eine Runde gen Norden in Richtung Okandeka, ehe wir Punkt 18 Uhr zurück im Camp sind. Die Spots des Tages können sich sehen lassen: Löwe, Giraffe, Zebra, Wüstenfuchs, Hyäne, Impala, Gnu, Erdmännchen, Springbock, Sekretär, Strauß. Dafür ist am Wasserloch des Camps gar nichts los - abgesehen von imposanten Wetterleuchten in der Ferne. Durch den regenreicheren Januar sind die Tiere deutlich weniger auf die Wasserlöcher im Park angewiesen als in der Trockenzeit zwischen April und Oktober.



Ostwärts durch den Etosha-Park

Dennoch sehen wir auch am kommenden Tag reichlich Tiere (darunter einen mächtigen Elefanten), als wir vorbei an den weiteren staatlichen Camps Halali und Namutoni ins Onguma Bush Camp fahren. Das private Quartier liegt direkt östlich des Etosha Parks. Zum Sonnenaufgang des folgenden Tages treffen wir Ranger Moses, der uns mit seinem Toyoto-Jeep auf geführte Safari-Tour mitnimmt. Wir fahren nun westwärts nochmals vorbei am Fort Namutoni und sehen gleich ein Nashorn (Black Rhino) sowie mehrere Löwen. Dann fahren wir zur Fischers Pan, vorbei an unzähligen Flamingos und dann gen Norden in Richtung Stinkwater. Am Ende führt Moses uns noch zu einem weiteren Elefanten, einem aggressiven Bullen auf Brautschau, der um ein Haar einen Jeep attackiert hätte. Der Nachmittag des dritten Safari-Tages endet dann beschaulicher am Pool der wunderschönen Onguma Bush Camps.


Zurück in die Hauptstadt Windhoek

Nach dem besten Frühstück der gesamten Reise direkt am Wasserloch verlassen wir am folgenden Tag um 9:30 Uhr das schöne Onguma. Auf der A 1 fahren wir komplett bis Windhoek und passieren Tsumeb, Otavi, Otjiwarongo und Okahandja. Um 15:15 Uhr erreichen wir das Windhoek Gardens Boutique Hotel, das uns mit seinem Service und der stylischen Einrichtung sofort positiv überrascht. Ein guter Spot für die letzten drei Tage. Ein Höhepunkt ist das allabendliche Braai: Bei diesem Barbecue essen wir auf offener Flamme gegrillte Sirloin Steaks, Oryx und Sosatie-Spieße. Die weiteren Tage nutzen wir für unsere Spendenaktion für Wadadee cares in Kutatura und eine ausgiebigen Marsch durch Windhoek. Zunächst besichtigen wir den alten Bahnhof und gehen hoch zum inzwischen abgewrackten Aussichtspunkt Werthsingel. Dann marschieren wir entlang der Independence Avenue vorbei am Kudu zum Zoo Park. Von dort gehen wir hoch zum Tintenpalast sowie zur Christuskirche und vorbei am monumentalen Independence Museum. Der alte Südwest-Reiter, der hier 2004 noch stand, ist inzwischen abmontiert und auch die alte Feste bröckelt vor sich hin. Schicker ist das Craft Center, wo reichlich Handarbeiten angeboten werden und ein nettes Café die Besucher mit selbst gemachter Limonade versorgt.
Nach zwei tollen Wochen in diesem faszinierenden Land brechen wir wieder auf zum Hosea Kutako International Airport. Nach knapp 2.500 Kilometern geben wir unseren Duster wieder ab und müssen wegen der Schäden an Reifen und Windschutzscheibe noch etwas Papierkram erledigen. Die Schäden deckt aber unser Vertrag mit Holidayautos allesamt ab. Vor der Sicherheitskontrolle machen wir noch unseren Tax Refund und erhalten die Mehrwertsteuer auf einige im Land erworbene Artikel zurück. Dann heben wir ab, verlassen die Wärme Afrikas und fliegen zurück ins winterliche Deutschland.
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