Urlaub am Fuße des Großglockners

Über den Gipfeln Tirols

Als wir unserem Ziel für die Sommerferien in Osttirol näher kommen, prüfen wir wiederholt die Temperaturanzeige im Auto. Auf dem Weg über die Inntal-Autobahn, Kitzbühel und Mittersill nach Kals am Großglockner fällt das Celsius-Display zeitweise in den einstelligen Bereich. Zudem regnet es Bindfäden.

Unsere leichte Ernüchterung über das Wetter weicht jedoch sofort, als wir das Hotel Gradonna Mountain Resort erreichen, das wie eine Festung ganz am Ende des Tals liegt. Einchecken, Service und Zimmer sind herausragend, das Hygiene-Konzept überzeugend. Und spätestens als wir zum Mittagssnack die Tiroler Gröstl probieren, sind wir voller Vorfreude auf eine tolle Ferienwoche. Den verregneten Tag überbrücken wir ganz entspannt in der weitläufigen Pool- und Spa-Landschaft des Hotels. Und um es vorweg zu nehmen: Die Küche im Gradonna Mountain Resort gehört zum besten, was wir je erlebt haben. Am ersten Abend starten wir mit Carpaccio und Tintenfisch-Tuben, dazu leckere Suppen sowie ein Pasta-Zwischengang und schließlich Schweinefilet Wellington zum Hauptgang - alles in Top-Qualität.

Vorbei an der Dabaklamm zum Dorfersee

Tags darauf hat sich der Regen verzogen, es ist für Mitte Juli bei 14 Grad allerdings noch knackig frisch auf gut 1.300 Metern. Egal, wir frühstücken in der Windstille dennoch auf der Sonnen-Terrasse unter blauem Himmel. Unsere erste Wanderung führt uns durch die Dabaklamm in das Dorfertal. Vorbei an der Bergeralm und dem Kalser Tauernhaus in Richtung Talschluss picknicken wir schließen am Ufer des saukalten Dorfersees. Auf dem Weg zurück steigen wir kurz vor der Klamm noch mal auf zum Moa Alm. Der Pfad führt zunächst durch Gras, viele Kuhfladen und einen kleinen Fluss. Dann steigt Weg 40 allerdings an und wird zu einem schmalen Steig oberhalb der Dabaklamm. An Stahlseilen geht eng am Berg nach oben. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Wenn es vorher viel geregnet hat, ist die Wanderung für kleinere Kinder eher nicht geeignet. Nach der Alm folgt noch ein Asphaltweg nach Taurer, ehe es nach knapp 25 Kilometern zurück ins Hotel geht. Dort mixen die Teenies um 17 Uhr mit dem Barchef leckere Cocktails.

Mit E-Mountainbikes ins Ködnitztal

Heute wechseln wir das Fortbewegungsmittel und leihen uns in dem an das Hotel angeschlossene Alpinsportgeschäft Gratz erstmals in unserem Leben E-Mountainbikes aus. Die drei Scott-Bikes (je 40 Euro Tagesmiete) sind angesichts der Höhenunterschiede in Osttirol eine gute Wahl. Die Fahrradrouten und Trails in der Region sind bestens ausgebaut. Wir entscheiden uns für eine Tour zum Lucknerhaus im Ködnitztal - das Tal mit dem vermeintlich besten Blick auf den Großglockner. Da es quasi keine ebenen Strecken gibt, sind wir von der elektronischen Unterstützung sehr angetan. So sind die sieben Kilometer Anstieg auf der für Autos mautpflichtigen Straße für uns kein Problem. Anspruchsvoller ist hingegen der weitere Anstieg über einen Kieselsteig zur Lucknerhütte auf 2.241 Meter. In direkter Nähe zum Großglockner haben wir eine Jause im herrlichen Ködnitztal - und sehen dabei noch einen Steinadler seine Kreise ziehen. Dann geht es zurück bergab in den Kalser Ortsteil Burg - mit teilweise mehr als 60 Stundenkilometern. Wir fahren durch den Ortsteil Großdorf zur Talstation der Bergbahnen und weiter zum Gasthof Tembler. Dann geht es auf der Westseite des Tals im noch einmal mehr als 600 Meter hoch auf dem Gornerbergweg zur Gornalm an der Mittelstation der Gondelbahn. Wir nehmen anschließend die Gravel-Abfahrt und als Highlight den Temblerfeldertrail - atemberaubend. Um 15 Uhr kehren wir nach 40 Kilometern und 1.600 Höhenmetern mit fast leeren Akkus ins Gradonna zurück. Danach ist Pool-Zeit angesagt.

Kalser Talrunde ist ein Muss

Wer im Kalser Tal Urlaub macht, sollte sich unbedingt einen Tag für die Kalser Talrunde freihalten. Der etwa 20 Kilometer lange Rundweg durch die verschiedenen Kalser Ortsteile hält eine ganze Reihe von Höhepunkten parat. Wir haben die leicht abgekürzte Runde in gut fünf Stunden am Stück gedreht, sie lässt sich aber durch verschiedene Einstiegspunkte auch prima etappenweise aufteilen. Wir starten direkt am Hotel Gradonna und wandern zum Rastplatz Schoberblick, weiter zum Einstieg Templer und über Lana in Richtung Arnig. Dort überqueren wir am Libnetsteg den Kalserbach und kürzen die Strecke im Süden etwas ab. Über Lesach wandern wir zur Sagbrücke, überqueren die Schlucht und gehen nach Oberlesach, wo wir an einem schönen Rastplatz lunchen. Weiter geht es über den Panorama-Rastplatz (toller Blick ins Tal) nach Glor zum großen Höhepunkt der Talrunde: eine 55 Meter lange und 30 Meter hohe Metall-Hängebrücke. Dann geht es noch einmal bergauf und weiter in Richtung Ranggetin. Den liebevoll gestalteten Rastplatz mit einem tollen Ausblick in den Talkessel an der Kalser Glocknerstraße haben wir tags zuvor schon bei unserer Fahrradtour passiert. Auf dem Weg zurück besuchen wir noch die geheimnisvolle Felsenkapelle, die der Rosenkranzkönigin geweiht ist und sich in dem Felsen Gradonna befindet - namensgebend für unser Hotel. Da wir die letzte Etappe der tollen Talwanderung beim Taurer bereits gemacht haben, geht es direkt zurück in die Unterkunft.

Lienz und der Osttirodler

Weil es heute wieder etwas kühler ist und wir uns einen entspannteren Tag verdient haben, ändern wir heute kurzerhand das Programm: Wir fahren aus dem Tal hinaus, vorbei an der Drau nach Lienz. Dort parken wir direkt am Ortseingang in der Nähe vom Schloss Bruck und stellen uns dem Osttirodler. Dahinter verbirgt sich eine 2,7 Kilometer lange, alpine Achterbahn. Sie startet bei der Moosalm und endet nach zahlreichen Kreiseln, Kurven und Wellen in der Hochstein Arena. Für 74 Euro kaufen wir uns sechs Gondel- beziehungsweise Seilbahnbergfahrten und sechs Abfahrten mit der Sommerrodelbahn. Kein günstiges Vergnügen, aber absolut lohnenswert: Die Abfahrt mit dem Osttirodler ist aus unserer Sicht noch spektakulärer als etwa mit der Sommerrodelbahn im Stubaital. Zurück im Tal spazieren wir in die schnuckelige Altstadt von Lienz. Dort lassen wir uns durch die Geschäfte treiben und erliegen dem Charme dieses wirklich schönen Ortes nahe Italien und Slowenien.

Blick auf Großvenediger und Großglockner

Am letzten Wandertag unserer Woche in Kals lässt das Wetter endlich eine Tour auf der Westseite des Tals zu. Erneut starten wir direkt aus dem Hotel und gehen hinunter nach Großdorf zur Gondelbahn Kals 1. Um 10 Uhr erreichen wir die Adler-Lounge auf 2.421 Meter. Von dort aus wandern wir vorbei am Goldriedsee über den Europa-Panoramaweg zum Kals-Matreier Törl auf 2.207 Meter. An diesem sensationellen Aussichtspunkt kann man in mehrere Täler schauen und sieht bei gutem Wetter im Westen den Großvenediger und im Osten den Großglockner. Nach einem kleinen Snack geht es weiter leicht bergauf zur Kalser Höhe auf 2.434 Meter. Anschließend steigen wir mehr als 1.000 Meter hinab zurück zum Gradonna Mountain Resort - vorbei an der Bergstation der Blauspitzbahn, dem Bergrestaurant Glocknerblick und der Figoalm. Zur Belohnung entspannen wir uns bei einer Massage und verbringen noch ein paar Stunden in der warmen Pool-Landschaft. Eine letzte Herausforderung geben wir uns aber noch: für ein kurz Moment waren wir in dem verlockenden Pool Teig des Hotels - bei knapp 16 Grad Wassertemperatur!