Tauchen lernen für Kinder

Bonaire: Wer A sieht, muss auch B sehen
dreisezeit

Obwohl wir fraglos als Wasserratten durchgehen, hat uns das Tauchen bisher immer kalt gelassen. Sowohl am Great Barrier Reef als auch auf den Malediven war unsere Tochter Emmy einfach noch zu  klein dafür. Zugleich fühlten wir uns beim Schnorcheln stets pudelwohl. Nach ihrem zehnten Geburtstag fassen wir dann den Entschluss, als Familie einen Tauchschein zu machen. Der Impuls kam von Emmy selbst und wurde umgehend mit drei zu null Stimmen angenommen. Für das Abenteuer haben wir uns die Insel Bonaire ausgedeutet, da wir die Sommerferien ohnehin auf den ABC-Inseln verbringen wollten – wie sich herausstellte, eine tolle Wahl.

Auf der Suche nach einer Tauchschule landen wir über das Internet bei den Tropical Divers im Süden der kleinen Hauptstadt Kralendijk. Silvia und Gerd aus Deutschland haben die Schule vor gut zwei Jahren übernommen. Gerd bildet Neulinge auch unter anderem gemeinsam mit dem niederländischen Instructor Geert aus. Am Ende von Theorie und Praxis steht der nach der Ausbildungsorganisation SSI zertifizierte Open Water Diver.

Theorie über die SSI App in Deutschland gelernt


Bereits in Deutschland bereiten wir uns über die SSI App intensiv auf die Theorie vor. Mittels vieler Videos in dieser didaktisch gut strukturierten App verwenden wir etwa acht bis zwölf Stunden darauf, die sechs Lektionen zu meistern. Zugleich checken wir über einen Fragebogen noch unsere Fitness, um gesundheitlich gut für das Tauchen gerüstet zu sein. Der praktische Teil der Ausbildung beginnt für uns bei den Tropical Divers an einem Montag im Juli , zwei Tage nach unserer Ankunft auf Bonaire. Vor ab haben wir noch abgeklärt, dass wir gesundheitlich fit sind.

Geert startet mit uns im Pool und bringt uns zunächst Ausrüstung und Techniken näher. Als kleine Dreiergruppe kommen wir recht schnell voran und bekommen all unsere Rückfragen umgehend beantwortet. Am Ende des ersten Tages wenden wir unsere Kenntnisse sogar schon in Freiwasser an: Per Pickup geht es zum Tauchplatz am Calabas Reef - und im Meer dann bis zu 6 Meter tief. Gegen 14 Uhr machen wir unsere Ausrüstung sauber und springen - etwas stolz - noch mal in tiefen Pool.

Tag Zwei verbringen wir komplett im TieftauchPool. Wir verfeinern unsere Technik und üben Reaktionen im Notfall: Gemeinsam auftauchen, Sauerstoff teilen, Tauchbrille unter Wasser reinigen. Außerdem legen wir unsere theoretische Prüfung ab, die wir dank des vorherigen Übens mit Bravour bestehen.

Am Salt Pier und bei den 1000 Steps


Am dritten Tag verdienen wir uns dann unser SSI-Zertifikat als Open Water Diver. Nach einigen praktischen Übungen am Calabas Reef machen wir unseren ersten richtigen Tauchgang am Bachelor’s Beach. Später kommen noch weitere Dives hinzu am Salt Pier, an den Riffs Something Special und Oilslick Leap sowie natürlich an den berühmten 1000 Steps.

Dank der tollen Betreuung durch Gerd und Geert fühlen wir uns unter Wasser nicht nur immer sicherer, sondern erleben zugleich eine unvergessliche Tiervielfalt in den Riffen. Neben vielen anderen Unterwasser-Bewohnern sehen wir Hohlkreuz-Garnelen, Meeres-Schildkröten, Muränen, Kugelfische, Stabfische, Skorpionfische, Aale, Feuerfische, Kraken, Krabben, Barracudas, Tarpunen sowie einen Tunfisch-Schwarm.

Da alle Tauchgänge vom Ufer aus starten, sind für uns bis zu drei Tauchgänge täglich ohne großen Stress möglich - auch wenn wir abends spüren, wie anstrengend das ist. Als Anfänger haben wir nicht viele Vergleichsmöglichkeiten: Aber in Bezug auf Sauberkeit, Sicherheit, Sicht, Riff-Qualität und Tiervielfalt bleiben bei uns auf Bonaire keine Wünsche offen. Einige Tage später unternehmen wir auf der Nachbar-Insel Curaçao noch einmal einen Besuch der Unterwasserwelt. Gemeinsam mit Dive Master Sander erkunden wir das Riff am Playa Porto Marie - wie richtige Taucher!



Das richtige Alter, um mit dem Tauchen zu beginnen


Bei aller Neugier auf das Tauchen ist auch der Aspekt der Sicherheit zentral - insbesondere wenn unter den Neulingen auch Kinder sind. Bei vielen Gesprächen mit erfahrenen Tauchern wird uns immer wieder ein Einstiegsalter von zehn Jahren genannt.

Auf Bonare berichten uns zwei Mittzwanzigerinnen, dass auch sie mit genau zehn Jahren mit dem Tauchen begonnen haben. In diesem Alter wächst bei Kindern die Erkenntnis, dass neben dem Spaß auf der Sicherheitsaspekt wichtig ist. Jüngere Kinder seien auch eher mal abgelenkt oder beginnen in der ungewohnten Umgebung mit der Ausrüstung oder mit Luftblasen zu spielen, berichtet uns ein Tauchlehrer.

Zudem sei es für Jüngere manchmal schwierig, den Anweisungen der Tauchlehrer zu folgen. Auch die theoretische Prüfung und das Verständnis für die Technik von Flasche und Tarierweste stellt eine Herausforderung dar. Nicht zuletzt kann das Equipment für schmale Kinderschultern auch schon ganz schön schwer sein.